Interview mit Fabian Buhl

Foto: ©Stefan Schlumpf

Der 23-jährige Fabian Buhl, ist am 2.11.1990 im Allgäu geboren. Hier wohnt er immer noch am liebsten, auch wenn er unter der Woche in Innsbruck ist, da er dort Erdwissenschaften studiert. Das Allgäu ist für ihn momentan einfach der perfekte Ausgangspunkt, um seine Projekte zu probieren, denn im Umkreis von 2 Std. gibt es so fast alles. Des weiteren versucht er so gut wie möglich im Bergsport Maxi in Kempten auszuhelfen. Doch nun erzählt er uns mehr...

 

Wie bist Du zum Klettern gekommen und warst Du von Anfang an Boulderer?

Zum Klettern bin ich im Jahr 2006 durch einen Bekannten gekommen, er hat mich zum Alpinklettern mitgenommen und daraufhin wusste ich, dass dies mein Sport ist. Somit beendete ich meine alpine Skilaufbahn. Anfangs standen für mich vor allem alpine Routen im Vordergrund, mich faszinierte einfach die Natur und auch die Ausgesetztheit. Aber da es im Allgäu sehr schöne Sportklettereien gibt und mich der damalige Leiter der Sportklettergruppe Scheidegg, Chrisi Häusler immer mitnahm, wollte ich schnell immer mehr und schwerere Routen. Chrisi nahm mich auch 1½ Jahre später erstmals mit in das Tessin. Dies war vermutlich der größte Wendepunkt in meiner bisherigen Kletterkarriere. Die Landschaft und der perfekte Gneis des „gelobten Landes“ entfachten in mir das Boulderfieber. Seit diesem Tag denke ich eigentlich in jeder freien Minute ans Bouldern.

 

Was fasziniert oder motiviert Dich so sehr am Bouldern?

Ich finde die Vielfalt der Boulder/Gesteine sehr abwechslungsreich und mag es, in jedem Stil an meiner persönlichen Leistungsgrenze zu schrauben. Wenn ich durch gezieltes Training Züge schaffe, welche ich mir ein Jahr zuvor nicht mal vorstellen konnte, dann gibt es mir extrem viel zurück und zeigt mir, dass es sich lohnt, für einen Traum zu arbeiten.

Aber auch die Schönheit einer Linie ist für mich extrem wichtig. Sie ist nicht nur Inspiration, sondern setzt sich auch in meinen Gedanken fest. Du musst sie dann einfach irgendwann klettern, auch wenn es einige Tage Arbeit bedarf. Doch für mich ist der Prozess des Ausboulderns und am Projekt Versuche zu machen, extrem wichtig. Ich versuche, mich langsam an den Durchstieg eines schwierigen Problems heranzutasten. Dabei sehe ich jede kleinste Verbesserung, die mir an einem Tag gelingt, als Fortschritt. Dies ist auch der Grund, wieso ich normalerweise die Lust am Projektieren nicht verliere. Ich denke meistens beim nach Hause fahren schon wieder über die Züge nach und schmiede Pläne, was ich nächstes Mal verbessern kann.

 

Reist Du viel, um bouldern zu gehen?

Ja! Ich versuche eigentlich immer, in meinen Semesterferien längere Zeit wegzufahren. Für mich ist das Bereisen fremder Länder und das Kennenlernen anderer Kulturen immer sehr spannend und es öffnet mir auch meinen Blickwinkel. Man lernt viele nette Leute kennen, trifft alte Freunde wieder und es entstehen neue Freundschaften. Vor allem Südafrika hat es mir angetan, hier lässt sich bouldern einfach perfekt mit Urlaub verbinden. Doch möchte ich auch neue und entlegenere Orte bereisen. Indien muss bezüglich Kultur und auch vom Gestein her unglaublich sein, dies würde mich schon sehr reizen.

Im Alpenraum versuche ich natürlich soviel Kurztrips wie möglich zu machen. Da ich zudem das Glück habe, ziemlich zentral zu wohnen, kann ich auch in viele der Alpen-Gebiete für einen Tag fahren.

 

In der Liste Deiner Wiederholungen finden sich viele bekannte Namen von Marksteinen des Boulderns wie Dreamtime, New Base Line oder Anam Cara. Zufall?

Zufall würde ich das nicht nennen, denn schließlich kommen all diese Linien von Großmeistern unseres Sportes. Ich mag es, Klassiker und Meilensteine, welche bis heute oberstes Limit sind, zu wiederholen. Fred und Bernd haben eine wahnsinnige Begabung, schöne Linien zu entdecken, welche mich in ihren Bann ziehen. Ohne sie wäre das Bouldern in den Alpen und anderen Topdestinationen nicht so weit entwickelt, wie es heute ist. Ich finden den Lifestyle, die Art Klettern mit Reisen zu verbinden und schwere Erstbegehungen zu realisieren, extrem reizend.

 

Zu Deiner Begehung von Anam Cara gibt es einige Geschichten, bei der viel Schnee und ein See bei der Ballunspitzbahn Talstation eine Rolle spielen. Was hat es damit auf sich?

Im Jahr zuvor glaubte ich noch nicht ganz, dass ich Anam durchsteigen kann, deshalb stieg ich auf eine Wette ein: „Wenn ich Anam Cara durchsteige, geh ich im Beschneiungssee der Ballunspitzbahn schwimmen...“ Der einzige Haken war, dass dies bei schönem Wetter zwar ganz nett ist, aber mein Durchstieg gelang mir nach dem ersten Schnee. Naja, dann bin ich halt in einen Eiswürfelteich gesprungen...

 

Gehst Du ausschließlich Bouldern oder bist Du auch mit Seil anzutreffen?

Die letzten Jahre war ich mit Seil eigentlich nur beim Boulder putzen, doch möchte ich heuer schon wieder mehr mit Seil klettern. Denn es gibt einige Linien, die es mir wirklich angetan haben. Und vielleicht kommt sogar die ein oder andere Alpintour dazu, doch dies hängt stark von meiner Sommerurlaubsplanung ab. Ich denke auch, dass die Abwechslung meiner Boulderform sehr gut tun würde.

 

Kletterst Du ausschließlich am Fels, oder machst du auch ergänzendes Training?

Falls ja, auf was konzentrierst Du Dich dabei?

Wenn ich nicht verletzt bin, versuche ich, soviel wie möglich am Fels zu bouldern. Dies ist intensiv genug und für mich das beste Training, da ich mich ja nicht auf Wettkämpfe vorbereiten muss. Zum Ausgleich arbeite ich noch mit Ringen, um meine Stabilität im Oberkörper zu verbessern. Da ich letzes Jahr leider 2-mal am Sprunggelenk verletzt war, trainierte ich ziemlich viel am Griffbrett. Dieses Training möchte ich auch weiterhin immer wieder in meine Felstage oder bei schlechtem Wetter mit einstreuen, denn hier kann man sehr spezifisch trainieren.

 

Warum climbOn?

Weil ich damit einfach mehr klettern kann und meine Cuts, wenn ich es mal wieder komplett übertreibe, einfach schneller ausheilen. Ich benutzte es auch schon lange, bevor ich nun das Glück hatte, von SKINourishment gesponsert zu werden. Für mich macht es einfach einen gewaltigen Unterschied, ob ich gute oder schlechte Haut habe!

 

Hast Du ein besonderes Motto, welches Dich beim Klettern begleitet?

Wenn dir nur der Durchstieg Spaß macht, dann wirst du verdammt wenige gute Klettertage haben. Deshalb gebe ich mich mit jeder noch so kleinen Verbesserung am Projekt zufrieden und

versuche, einfach einen guten Tag mit Freunden in schöner Natur zu verbringen.

 

Erfolge:

  • Dreamtime fb 8c in Cresciano, CH
  • Anam Cara fb 8b+ in der Silvretta,AT
  • Ragtime fb 8b+ in Amden, CH
  • Santoku fb 8b+ in Bodio,CH FA*
  • The Dagger fb 8b+ in Cresciano, CH
  • Normopath fb 8b+ am Walensee, CH
  • American Gangster fb 8b+ im Zillertal, AT
  • Steinig fb 8b+ im Allgäu, D FA*
  • Oliphants Dawn fb 8b+/c in den Rocklands, RSA
  • Golden Shadow fb 8b+ in den Rocklands, RSA
  • New Baseline fb 8b+ im Magic Wood, CH

 

FA = First Ascent (Erstbegehung)

 

Sponsoren:

SKINourishment-climbOn, La Sportiva, Organic